Seidenkrawatten

Eine Seidenkrawatte, auch Schlips genannt, ist als ein modisches Accessoire nicht mehr wegzudenken. Das Wort Seidenkrawatte hat eine deutsch-französische Abstammung und steht für einen länglichen Streifen Stoff, welcher um den Hals gebunden und in Kombination mit einem Hemd getragen wird. Die moderne Seidenkrawatte hat sich aus einer Krawattenschleife herausentwickelt, indem sie von dem Schnitt gesehen die aktuelle Länge angenommen hatte. Sie wird üblicherweise unter einen Hemdkragen gesetzt und kann zudem mit einer speziellen Krawattenklammer bzw. –Nadel versehen werden.

Seidenkrawatten wurden ursprünglich als ein Kleidungsstück für den Herren konzipiert, doch seitdem sich auch Damenanzüge etabliert hatten, werden Seidenkrawatten auch von den Damen getragen. In Deutschland wurde Krefeld zum Hauptstandort der Krawattenherstellung.

SeidenkrawatteDie Entwicklungsgeschichte einer Seidenkrawatte ist lang. Die halstuchartigen Kleidungsstücke, die sogenannten Focalen, sind schon bei den römischen Legionären und später meistens ebenso im Zusammenhang mit Soldatenuniform zu verzeichnen. Seidenkrawatten sollten dem Schutz gegen Kälte und Schmutz dienen und das Scheuern der Haut durch schwere und scharfe Rüstungen verhindern. Der wahre Zeitraum der Entstehung von Seidenkrawatten lässt sich auf das 17. Jahrhundert festlegen. Durch die Ankunft von kroatischen Söldnern in Frankreich hat sich ein Stück weißen Stoffes am Kragen von deren militärischen Uniform aufgefallen und wurde am französischen Hof beliebt:

Vermutlich wird daher "croate" für Krawatte, Seidenkrawatte, abgeleitet. Damals entstanden erste Trends, wobei Seide und Spitze unter den wohlhabenden Menschen zunehmend bevorzugt und schnell im ganzen Europa sowie weltweit verbreitet wurde. Während der Großen Französischen Revolution dienten Seidenkrawatten als wichtiges politisches Erkennungszeichen: Den weißfarbenen Seidenkrawatten der Aristokratie wurden bunte Halstücher des Proletariates entgegengesetzt. Auch in England und Schottland waren Seidenkrawatten bei der adeligen Schicht sehr verbreitet: Sie trugen gerne Strick, Tweed und Wollstoffe sowie klassische Seidenkrawatten aus edler Seide.

 

Im 18. Jahrhundert gehört die Seidenkrawatte zur Ausstattung jedes Dandys. Modische Farben zu der Zeit sind weiß, schwarz und grau. Seide wird auch hier als Material bevorzugt. Die eigentlichen Prototypen der modernen Seidenkrawatte entstammen dem späten 19. Jahrhundert im Zuge des Industriewandels, als es zu radikalen Veränderungen bei der Gestaltung der Seidenkrawatte kam. In diesem Zeitraum entwickelten sich verschiedene Variationen dieses Bekleidungsstückes zu einer Art Langbinder und eine Seidenkrawatte wurde aus einem Kleidungsstück für gehobene Schichten immer mehr zur Massenware. Zu dieser Zeit wurden in Europa erste Anleitungen zur Bindetechnik der Krawatten verfasst. Dabei ist die Erfindung von dem sogenannten "Four-in-hand-Knoten" bemerkenswert. Mittlerweile kann man etwa 200 Techniken zum Knotenbinden aufzählen.

In den 1970-er und 1980-er wurde eine Seidenkrawatte unter der jungen Generation oft verachtet: Sie wurde als Zeichen von Spießigkeit wahrgenommen.

In der Geschäftswelt sind Krawatten fest verankert, sodass ein "Krawattenträger" manchmal im ironischen Sinne als einer, der nicht in einem handwerklichen Gewerbe tätig ist, angesehen wird. In der Tat ist eine Krawatte am häufigsten bei den Bürotätigkeiten verbreitet und wird je nach Spezifik eines Unternehmens von der Kleiderverordnung, dem sogenannten Dress-Code, diktiert. Dabei wird das Tragen einer Krawatte nicht nur durch Branchenanforderungen wie z.B. im Bankwesen oder Management, sondern auch durch verschiedene andere Anlässe wie Hochzeitsfeier, Produktpräsentation, öffentliche Veranstaltungen sowie durch die Treue dem eigenen gewählten Stil der Bekleidung bedingt.

 

Durch Mischungen von verschiedenen modischen Tendenzen der heutigen Zeit werden Krawatten neu definiert. Die Textil- bzw. Modeindustrie von heute bietet zahlreiche, sich nach der Verarbeitung, Design und Preisklasse unterscheidende Arten von Krawatten. Um eine anlassgerechte Krawatte unter den verschiedensten Möglichkeiten zu finden, sollte man sich Zeit nehmen: Es werden Seidenkrawatten, mit Muster und musterfrei, mit einem Motiv, Designerkrawatten sowie sich nach Modellen wie Jacquard-, Vincent- oder Paisleykrawatten unterscheidende Varianten angeboten. Zu den Möglichkeiten zur Krawattenverarbeitung gehören Zusammennähen einer Krawatte mithilfe von Nähmaschine, Arbeit mit der Liba-Maschine sowie Handarbeit. Nach dem Material und Stil variierend, können sie in der Massenproduktion oder aber nach Maß mit Berücksichtigung von speziellen Kundenwünschen von exklusiver bis zur extravaganten Variante angefertigt werden. Stilistisch können Krawatten als konservativ, sportlich, schlicht oder leger auftreten.

 

Eine Krawatte betont den stilsicheren und selbstbewussten Auftritt des Anzugträgers und erweitert das Bekleidungsrepertoire. Doch wie bei anderen Accessoires sollte man dabei auf die bestimmte Botschaft achten, die so ein Kleidungsstück mit sich bringt. Dabei kann man leicht das geschmackvolle Kombinieren der Krawatte zum Hemd und Anzug verfehlen. Daher kann man empfehlen, sich nach der Krawatten-Etikette bei den zahlreichen Quellen zu informieren. Hierbei sind dezente Farben und Muster nach dem Motto "weniger ist mehr", in Seide ausgeführt, abgestimmt auf Typ, Anzug und Hemd immer die richtige Wahl. Bei begrenzten finanziellen Mittel sollte man sich auf unifarbene Anzüge und Hemden beschränken und den Kontrast mittels verschiedener farbigen und gemusterten Krawatten sichern.

 

Die Wahl einer Krawatte lässt den Anzug auf eine individuelle Weise gestalten und somit auf den Geschmack und Modebewusstsein schließen. Unter den verschiedensten Stoffen wie Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle, Flanell, Synthetik oder gemischte Fasern, die zur Anfertigung von Krawatten in Frage kommen, wird Seide bis heute wohl am liebsten bevorzugt. Seide als Krawattenstoff ist nicht zwangsläufig teuer, wobei ihre Qualität auf die Verarbeitung des Materials ankommt.

 

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